Kommunale Zugehörigkeit
 
 

An dieser Stelle soll darauf verwiesen werden, dass sich der Rückblick auf den kommunalen Ortsteil Meerbeck beschränkt. Obwohl sich der Hochstraßer Teil der Kolonie auf Moerser Gebiet befindet. Mit der bergbaulichen Entwicklung auf dem Gebiet der Gemeinde und ihrem raschen Anwachsen war die Geburtsstunde von Rheinkamp gekommen, als mit den beiden großen Ortsteilen Repelen und Baerl sich all die anderen Ortschaften und Siedlungen: Meerbeck, Hochhalen, Üttelsheim, Gerdt, Lohmannsheide, Niederhalen, Binsheim, Loheide, Utfort, Eick, Bornheim, Genend, Niephauserfeld, Rheim, Rheinkamp (Bauernschaft), Kohlenhuck und Graft am 1. Januar 1910 zur Gemeinde "Repelen-Baerl" zusammenschlossen. Wie ist es dazu gekommen?

Das ist schnell erzählt. Repelen und Baerl waren alte Kirchdörfer mit einem Kranz ihnen zugehöriger Ortschaften um sich herum. Nachdem beide lange Zeit auch selbstständig von einem Maire (Bürgermeister) verwaltet worden waren, vereinigten sie sich verwaltungsmäßig um 1820 mit den Nachbargemeinden. So war Repelen bis 1908 in Personalunion mit Neukirchen, und Baerl bis 1904 mit Homberg verbunden. Bis dahin lagen die beiden Dörfer friedlich und unverändert inmitten der stillen und weiten Landschaft am Niederrhein, als man plötzlich und gerade auf der Grenze zwischen den beiden Gemeinden in Utfort, das zur Repelener Flur gehörte, die erste Schachtanlage auf Gemeindegebiet abzuteufen begann. Dadurch bedingt wuchsen beide Gemeinden sprunghaft an und erlangten kommunale Selbstständigkeit. Auf Repelner Flur entstand die Rheinpreußen Schachtanlage V, und auf Baerler Flur wuchs die große Bergarbeiter-Kolonie Meerbeck plötzlich aus dem Boden. So kam es, dass Baerl nun wegen der vielen zu versorgenden Menschen bedeutende Lasten tragen musste, Repelen dagegen die große Steuerquelle der Schachtanlage für sich allein zu nutzen begann. Wie sollte das ausgeglichen werden? Am besten natürlich durch Verschmelzung der beiden Gemeinden zu einer Gesamtgemeinde. Zu dieser vernünftigen Lösung kam es mit der königlichen Order, die folgenden Wortlaut hatte. "Des Königs Majestät hat durch allerhöchstem Erlass zu genehmigen geruht, dass die Landgemeinden Repelen und Baerl im Kreis Moers zu einer Landgemeinde mit Namen Repelen-Baerl vereinigt werden."

Als Zeitpunkt des Inkrafttretens bestimmte der Regierungspräsident von Düsseldorf den 1. Januar 1910. Das also war die Geburtsstunde der Gemeinde, die sich von 1910 an Repelen-Baerl nannte. Auf den Meldeämtern der beiden alten Gemeinden wurden im November 1909 die fortgeschriebenen Einwohnerzahlen wie folgt registriert:

für Repelen 4715   Einwohner
für Baerl 8.129   Einwohner
insgesamt also 12.844   Einwohner

Davon waren 7.710 Personen Reichsdeutsche und 5.134 Personen Ausländer also ein Verhältnis von 5 : 3. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass eine damals überwiegend nach evangelischer Konfession ausgerichtete Gemeinde durch die Industrialisierung einen überproportional anwachsenden katholischen Bevölkerungsteil bekam, nämlich von 332 auf 5704 Einwohner, dann könnte man bei der damaligen weniger liberalen Mentalität Problemfelder vermuten. Aber der damalige Bürgermeister Drove stellte in seiner Festrede zur Einweihung des Rathauses Repelen-Baerl am 20. April 1912 in Utfort voller Stolz fest: "Repelen Baerl ist als eine der größten Landgemeinden von Rheinland und Westfalen noch etwas größer als Groß-Moers, Groß-Homberg und Kapellen zusammen. Ein Gebiet, in dem, wenn man die Bevölkerungsdichte von Homberg zugrundelegt, 150.000 Einwohner bequem Platz haben."


Rathaus Utfort

Meerbeck war schon bald der an Einwohnern größte Ortsteil der neuen Gemeinde.Von wo aus aber sollte diese neue große Gemeinde nun verwaltet werden? Es sollte ein Punkt sein, der möglichst in der Mitte der Gemeinde und von allen seinen Teilen aus gut erreichbar gelegen war. Deshalb entschied man sich dazu, in Utfort ein Rathaus zu bauen. Und schon am 1. Oktober 1910 wurde mit dem Bau begonnen. Am 20. April 1912 zogen dann dort ein: der damalige Bürgermeister Drove, seine vier Beigeordneten (Johannes Kothes aus Meerbeck, Dr. jur. Liebrecht, Jakob Schroer und Heinrich Eickschen).
Von den 39 Gemeinderäten kamen folgende 6 aus Meerbeck:

Biltjes, Johann Wirt
Daubenspeck, Heinrich Gutsbesitzer
Großart, Johann Bergmann
Hasenkamp, Jakob Metzgermeister
Knüffelmann, Gerhard Wirt
Kothes, Johannes Gutsbesitzer

Nach dem Ausscheiden des Bürgermeisters Drove übernahm Bürgermeister Altwicker die Leitung der Gemeinde. Er ist mit weiteren 22 anderen, bei einem Bombenangriff auf das Rathaus am 25. Oktober im Jahre 1944, tragisch ums Leben gekommen.

Das Rathaus in Utfort hatte schon bei einem Angriff in der Nacht vom 20. zum 21. Juli 1944 bedeutende Schäden davongetragen. Am 27. August aber wurde der südliche Teil, am 25. Oktober der Nordflügel so stark beschädigt, dass die Verwaltung am 1. November in die Repelener Schule, später in das Jungbornhotel übersiedeln musste.

Auf das weitere Kriegsgeschehen im Rheinkamper Raum, soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden.

Die Aufgaben nach dem Zweiten Weltkrieg waren doppelt schwer. An dessen Ende standen Trümmer und Zerstörung und ein riesiger Zustrom von Evakuierten in das Gemeinwesen. Erinnern wir uns an die Männer der ersten Stunde im Rat der Gemeinde, die sich nach dem Zusammenbruch unerschrocken vor den mit unübersehbaren Aufgaben beladenen Karren spannten und gemeinsam große Last und Verantwortung hinter sich herzogen, "und zwar immer bergauf! "Von den 26 Mitgliedern des von der Militärregierung in Moers, vertreten durch ihren Oberstleutnant Hardie, im Februar 1946 berufenen Rates unter Vorsitzt des Bürgermeisters Steegmann, kamen folgende vier Mitglieder aus Meerbeck:

Hucker, Franz CDU
Meier, Alfred SPD
Seidel, Fritz SPD
Tripp, Heinrich KPD

Bei der ersten Kommunalwahl am 15. September 1946 wurden folgende Männer des Vertrauens aus Meerbeck, in den 21 Vertreter starken Rat der Gemeinde, gewählt:

Busch, Richard SPD
Friedrich, Alfred SPD
Meier, Alfred SPD
Seidel, Fritz SPD
Tepper, Adolf CDU

Zum Bürgermeister wurde Ulrich, Walter (SPD) gewählt.
Die Ersetzung des Doppelnamens der Gemeinde durch eine einheitliche Bezeichnung wurde schon länger diskutiert. Bei den Besprechungen war von dem Ratsmitglied Jakob Schroer der sehr glückliche Gedanke, die Gemeinde "Rheinkamp" zu nennen, nachdrücklich begründet und in Vorschlag gebracht worden -und er fand allgemeinen Anklang. "Um die schon seit Jahren vorhandene Einheit zwischen den früheren Gemeinden Repelen und Baerl auch nach außen in Erscheinung treten zulassen, so heißt es in dem Protokollauszug der Ratssitzung vom 12. Januar 1950, beschloss der Gemeinderat einstimmig weiter, die bisherige Benennung "Repelen- Baerl"; aufzuheben und der Gemeinde nunmehr den Namen "Rheinkamp" zu verleihen. Diesen Namen hält der Gemeinderat für passend, da Rheinkamp eine Ortschaft der Gemeinde und Eisenbahnstation ist, und außerdem die Gemeinde eine lange Rheinfront hat. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen genehmigte denn auch trotz der ablehnenden Stellungnahme der Oberpostdirektion in Düsseldorf den wohlbegründeten Antrag der Gemeinde vom 30. Januar 1950.

Am 25. Juni 1958 erhielt die Gemeinde auch die Genehmigung zur Führung eines Wappens: ein hochgestelltes schwarzes Rechteck im goldenen Schild, darin ein schräg/linker silberner Wellenbalken (Rhein). Die goldenen Dreiecke im schwarzen Rechteck symbolisieren die in Rheinkamp vereinigten Ortschaften. Weil Rheinkamp zur Grafschaft Moers gehörte, findet man auch die Farben der Grafen von Moers (schwarz-gold) im Gemeindewappen wieder.

Am 20. April 1956 trat der Gemeinderat zusammen um einen Nachfolger von Bürgermeister Steegmann zu wählen. Er entschied sich mit allen Stimmen für den langjährigen Gemeindeverordneten Fritz Seidel aus Meerbeck. Es war eine Vertrauenskundgebung, welche die Wiederwahl des Bürgermeisters am 8. November 1956 bekräftigte. Als am 7. November 1958 die Neuwahl des Bürgermeisters wiederum anstand, entschieden sich die Gemeindeverordneten zum dritten Male für Fritz Seidel.

Fern allem Parteienstreit und in vertrauensvollem Zusammenwirken haben Verwaltung und Gemeindevertretung in der Nachkriegszeit ein umfangreiches Arbeitsprogramm von oft geradezu verwirrender Fülle bewältigt.

Bei der Gemeindereform im Jahre 1975 wurde die Gemeinde Rheinkamp als selbstständige Verwaltungseinheit aufgehoben, und zur Stadt Moers zusammengefasst. Aus den bis dahin selbstständigen Gemeinden Rheinkamp und Kapellen entstand durch Zusammenlegung die neue Großstadt Moers. Die Ortsteile Baerl und Binsheim wurden trotz starker Proteste aus der Bevölkerung nach Duisburg eingemeindet.



Fritz Seidel

 
 
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