Am Anfang war...
 
 
Die Geschichte vom heutigen Meerbeck ist die Geschichte eines Jahrhunderts. Wenn man nun die Aufmerksamkeit auf eine fast unvorstellbar weit, um viele Jahrmillionen zurückliegende Zeit Ienkt weil eben das, was tief unter der Erdoberfläche lagert, Meerbeck entstehen ließ:
Die Steinkohle.
Wie die Braunkohle und der Torf besteht auch unsere schwarze, im Licht glänzende Steinkohle aus den Resten von Pflanzen.


Steinkohle


Lebenswelt eines Sumpfmoorwaldes
Steinkohle ist - wenn man es einfach darstellt - eine Weiterentwicklung von Torfmooren, wie sie auch heute noch entstehen: Holzige Pflanzenteile, Wurzelstöcke, Stämme und Äste aus mächtigen Wäldern von großen Bäumen, Schachtelhalmen und riesigen Farnen in feuchtem, tropisch - heißem Klima, sterben ab und sinken unter die Wasseroberfläche. Luftabschluss verhindert das Vermodern. Mit der Zeit wurden Tone und Sande als Ablagerungsgesteine darüber geschwemmt. Druck und Wärme nahmen zu, der Prozess der Inkohlung" begann: Holz, das jahrzehnte lang Sonnenenergie gespeichert hatte, wird allmählich zur Kohle.

Vor mehr als 250 Millionen Jahren war unser Gebiet die sumpfige Uferzone eines riesigen Meeres. Der Vorgang der Torfbildung zur Steinkohle dauerte viele Millionen Jahre und hat sich mehr als hundertmal ereignet; so viele Kohlenschichten - Flöze - gibt es nämlich.
Wenn der Bergmann durch 1000 Meter tiefe Schächte im Förderkorb nach - unter Tage- fährt, durcheilt er in minutenschnelle eine Erdschicht, die sich in mehreren hundert Millionen Jahren gebildet hat. Interessant ist, dass in den hiesigen Legionslagern der Römer, Öfen gefunden wurden, in denen bereits Steinkohle verbrannt wurde. Neben dem Vorstoß des skandinavischen Inlandeises bis in unseren Raum, hat der damals noch wilde Rhein unser Gebiet geprägt.
Otto Ottsen schreibt in seinem Moerser Geschichtsband, dass der Rheinstrom selbst, oder ein sehr bedeutender Stromarm in der Größe des heutigen Rheins, noch im 9. Jahrhundert an Moers vorbeifloss. Die alten Handzeichnungen der Stadt Moers geben uns darüber einige Aufklärungen. Ein alter Rheinarm zog sich um die Stadt Moers und ist auf dem Bild alsHet - Meer" eingezeichnet.

Der Rheinarm muss sich von Moers aus in nordöstlicher Richtung erstreckt haben und das Gebiet des heutigen Meerbeck gebildet haben. Flusssanddünen waren charakteristisch für die ursprünglichen Stromauen. Bei niedrigem Wasserstand wurde der trocken gefallene Ufersand vom vorherrschendem Westwind verblasen und in einiger Entfernung in Form niedriger Sanddünen aufgeweht. So sind die beachtlichen Hügel des Galgenberges, des Sandberges, des Molberges bis in den Baerler Busch Werk des Windes. Der Sandberg und Galgenberg wurden zur Verwendung als Bau-bzw. Versatzmaterial für unter Tage (1945-1950 ) abgetragen. Eine Besonderheit sei noch erwähnt, unter den Sandschichten des Galgenberges fand man zwischen Kiesablagerungen eine dünne Schicht feinkörnigen Bimsstein. Aber Bimsstein ist doch eruptiven Ursprungs.

Mammut-Skelett


Mammut-Zähne (Stoß- und
Backenzahn, Unterkiefer)
Wie kam nun der Bims in unser Meerbecker Gebiet, obwohl in unserer näheren als auch in weiterer Entfernung kein Vulkan tätig war? Ähnliche Funde fand man an vielen Orten, an denen der Rhein sich ungefesselt ausbreitete. Der Bims, darüber bestand in der Fachwelt von vornherein kein Zweifel, stammt aus den Eifelvulkanen, mit höchster Wahrscheinlichkeit aus dem Laacher- See- Krater. Bei einem Ausbruch, der sich etwa um 9000 v. Chr. ereignete, wurde der feinere Auswurf hoch emporgeschleudert und geriet am Neuwieder Becken in den Rhein. Dieser trieb ihn stromabwärts und schwemmte die leichte Fracht in die flachen und stillen Buchten. Sie wurden im Laufe der Zeit durch Überschwemmungen mit Sand und Kies überlagert.
Auch im Meerbecker Raum haben altsteinzeitliche Menschen gelebt. Dies belegen Funde von Hinterlassenschaften eiszeitlicher Jäger in unserer nächsten Umgebung.

Bei tiefgründigen Eingriffen in den Untergrund Meerbecks und Umgebung kommen aus den Kiesen und Sanden immer wieder Reste von eiszeitlichen Großsäugetieren wie Mammut, Wollnashorn, Pferd und Rentier zutage, die noch vor etwa 15000 Jahren die Jagdbeute späteiszeitlicher Jäger waren. Die Funde aus der eis -und steinzeitlichen Welt in unserem Raume betreffen, soweit Tierfunde in Frage kommen, ganz besonders häufig das Mammut. Es waren mächtige Geschöpfe: Versehen mit einem dicken, zottigen Fell, mit großen, gewundenen Stoßzähnen von bis zu 4m Länge und Oberschenkelknochen von der Größe eines erwachsenen Menschen, erreichten sie die Höhe eines einstöckigen Hauses und wogen so viel wie 130 Menschen. Um Fundstellen in unserem Bereich zu nennen: Beim Abteufen von Rheinpreußen Schacht V und den Pattbergschächten, sowie aus den umliegenden Kiesbaggereien.

Das Mammut und der Steinzeitmensch lebten in der gleichen Zeit. Davon zeugen viele jungsteinzeitliche Funde in unserer nächsten Umgebung. Als besonders bemerkenswert, der Fund eines Steinbeiles genauer gesagt einer Hammeraxt, welche beim Bau der Nissenhütten 1947/1948 im Bereich der Blücherstrasse/ Am Wolfsberg in Meerbeck gefunden wurde. Vor vier bis fünftausend Jahren wurde diese Hammeraxt, welche hier zutage kam, verloren. Sie ist 13,7 cm lang, 5,8 cm breit, 4,7 cm stark und hat eine Durchbohrung von 2,1 cm Durchmesser.



Hammeraxt (Das Fundobjekt befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn unter der Inventar Nummer 79.0333.)

Die linksrheinischen Landstriche waren im Zuge der reichsrömischen Expansionspolitik eines Julius Cäsar, Kaiser Augustus und seiner Nachfolger, fest in das römische Weltreich eingegliedert worden. Auf der linken Rheinseite wurde eine starke Verteidigungslinie errichtet. Castra Vetera bei Birten wurde ein Standlager für zwei Legionen. (je 6000 Krieger). Von hier aus war im Jahr 9 n. Chr. der römische Feldherr Varus mit seinen Legionen nach Germanien ausgezogen, ehe er im Teutoburger Wald seine verheerende Niederlage erlitt. Auch Asciburgium, das heutige Asberg in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, bauten die Römer aus. Die Römer waren bekanntlich Meister im Straßenbau. Die Fahrdämme der Heerstrassen waren etwa 4,50 Meter breit und man gab ihnen oft mehrere feste Unterlagen, zum Beispiel Steinpackungen, Kies oder Bohlen. In überschwemmungsgefährdeten und sumpfigen Gebieten wurden die Straßen als Dämme angelegt, die eine Höhe von etwa 2 Meter erreichten. Noch heute erinnern bei uns die Namen Hohe Straße oder der Ortsteil Hochstraß an diese Dammstrassen aus der Römerzeit. Die berühmteste Straße der Römer, die sich in deutschen Landen erhalten hat, ist auch die durch Meerbeck führende Straße, die noch heute als Römerstraße bezeichnet wird.

Meerbeck ist kein altes Dorf und auf der Karte der Grafschaft Moers aus dem Jahre 1550 suchen wir vergebens die Ortschaft Meerbeck. Woher aber stammt der Name? Der Name "Merwig" taucht erstmals in einem Hufenverzeichnis des Hofes Asterlagen um 1200 nach Christus auf; um 1500 wird es "Merewich" genannt. Der 1594 in Duisburg gestorbene berühmte Geograph Mercator trägt auf seiner Karte vom Niederrhein noch" Merwyck" ein.

Dieses wird noch bestätigt durch eine Urkunde des Staatsarchiv Düsseldorf. Unter dem 18. März 1683 finden wir eine Urkunde, nach der Arnold Hermann v. Goor mit dem M e e r w i c k e r - M e e r bei Baerl belehnt wurde. Im 17. Jahrhundert hat sich dann das "w" zu "b" gewandelt, und aus der Schreibweise "Merbich" wird schließlich die heutige Bezeichnung Meerbeck. Eine Wyck ist eine flache Bucht, und Meerwick (= Meerbeck) hat also die Bedeutung "Bucht am Meer" oder Becken am Meer". Falsch wäre es demnach, Meerbeck mit Beke gleich am Meer oder zum Meer zu übersetzen, wie es häufig auch geschieht. Wir wissen aus der Geschichte des niederrheinischen Tieflandes, dass der Rhein im Laufe der Jahrtausende oft seinen Lauf wechselte, weil das Land zu beiden Seiten des Stromes noch nicht durch hohe Deiche geschützt war. So soll er auch bis in die Nähe der Krumme, die jetzige Straße am Gerdtbach, herangekommen sein. Die Böschung, die wir heute noch an dieser Straße vorfinden, ist der Rest eines ehemaligen Dammes. Der alte Rheinarm ist später versandet. Folgen wir der Auffassung von Ottsen, so hat es bis zum Jahre 1300 eine große bewaldete Insel zwischen Moers und Homberg gegeben.



Karte Grafschaft Moers von Mercator
Die Ausdehnung von Süden nach Norden kennzeichnen die Namen Uerdingen und Rheinberg. Es ist gewiss kein Zufall, dass der Teil des Waldes südlich von Meerbeck den Namen die Birk führte. Man darf wohl annehmen, dass der Sumpfwaldbaum die Birke Ursache der Namensgebung war. Anders im Norden, zwischen Utfort (Furt) und der Römerstraße, wird der Ort des Waldes mit "Alt Hassel" angegeben. Das lässt darauf schließen, dass es sich um den Ort handeln muss, welcher im Werdener Heberegister um 900 als "silva Hasloth" als großer Eichenwald bezeichnet wird. Das alte Meerbeck lag östlich der Römerstraße und zog sich mit seinen wenigen, aber ansehnlichen Höfen der Bauernschaft bis in die Nähe des großen Gerdtbachbogens. Zu den bedeutenden Höfen zählte der Kotheshof. (Hof "ingen Meerwyk" = Meermannshof "). Das Gut gilt als ursprünglicher Sitz der Adelsfamilie v. Meerwich und wird schon im 13. Jahrhundert erwähnt. Im Jahre 1618 geht es in den bürgerlichen Besitz an Johann ingen Meerwyk über. Der Hof dürfte mit dem häufiger genannten Meermannshof zu Meerbeck, den nachmaligen Germendonkshof, identisch sein. Das Anwesen hat seinen Namen von seiner Lage am Meerbecker Meer.

Der Daubenspeckshof = Scholtheissenhof der Familie Daubenspeck wird 1731 von Gerh. Bongartz an seinen Stiefsohn, Wilhelm Daubenspeck übergeben. Die Familie Schardey besaß den nach ihnen benannten Hof der später von Jakob Hetzel bewirtschaftet wurde. Außerdem gab es noch verschiedene kleinere Höfe und Katen. Die gesamte Fläche ist Anfang 1900 in den Besitz von Rheinpreußen gekommen. Heute sind alle Höfe abgerissen. Sie mussten der neuen Bebauung in Meerbeck Ost weichen.

In diesem Meerbeck war um die Jahrhundertwende wirklich nichts los, wie man heute zu sagen pflegt, zumal sich hier auch noch der Galgenberg befand. Woher kommt der Name? Unzweifelhaft von einer früheren Richtstätte des Hochgerichts der Grafen von Moers. Hier wurden in früherer Zeit oft Knochen und auch Schädel der Hingerichteten gefunden. Da andere Richtstätten in unserer Gegend unbekannt sind, ist als sicher anzunehmen, dass sämtliche Urteile der näheren Umgebung hier vollstreckt wurden. Auf alten Karten ist diese Richtstätte typischerweise durch Rad und Galgen markiert. (Auf der Mercator-Karte der Grafschaft Moers von 1591 findet sich die alte Richtstätte an der Römerstraße unweit von Asberg eingezeichnet.)



Ausschnitt
Karte Mercator mit Galgen


Richtstätte Galgenberg

Die Richtstätte ist möglicherweise so alt wie die Gerichtsbarkeit selbst. Heute weisen nur noch Straßennamen wie „Galgenbergsheide" und „zum Galgenberg" auf die Delinquenten hin, deren Verbrechen auf Scheiterhaufen, Rad und Galgen ihre Sühne fanden. Um den Verurteilten jedoch nur das zuzufügen was das Gericht als Strafe zuerkannt hatte, und um die Durchführung nicht noch grausamer zu machen, wurde die Hinrichtung von Scharfrichtern vorgenommen das waren eigens dafür ausgebildete Spezialisten. Es war hoffentlich selten, dass solche Hinrichtungen durchgeführt wurden. Eine ist uns bekannt: Hier wurde 1503 Dietrich Daermann gehängt, weil er zwei Scheunen eines dem Kloster Kamp gehörenden Hofes in Eversal angezündet hatte. Der Galgenberg ist heute als Invalidenbusch an der Bismarckstrasse bekannt.

 
 
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